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12.05.2021 12:37 Alter: 32 days
Kategorie: Rathaus

Was der Mensfelder Kopf und der Mount Everest gemeinsam haben - Mensfelder Bürger kümmern sich um das Naturschutzgebiet


Wie kann man den MeKo mit dem Mt.Everest vergleichen? Eine gute Frage, denn mit seinen knapp 320 Höhenmetern reicht er nicht annähernd an den berühmten 8000er heran. Auch mit Gletschereis und Steilwänden lässt sich kein Vergleich herleiten. Dennoch - beide Berge haben etwas gemeinsam:  Erstens eine geniale Aussicht und zweitens der hohe Besucherdruck mit allen daraus resultierenden Hinterlassenschaften.

1998 wurden der Mensfelder Kopf zum Naturschutzgebiet ausgewiesen. Grund dafür waren die wildwachsenden Heidekräuter auf dem 7,17 ha großen Areal. Auf ihr liegt das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Mensfelder Kopf (FFH-Nr. 5614-302; 35,11 ha).

 Seit etwa 2005 ist ein Rückgang der wildwachsenden Heide zu beobachten und heute finden sich nur noch kleinflächige Relikte, verstreut über die gesamte Erhebung. Die Ursachen sind schnell gefunden: Starker Stickstoffeintrag aus der Luft und den Niederschlägen, zunehmende Vergrasung und eine ständig wachsende Humusschicht. Die alten Heidesträucher sind überdüngt, bekommen noch weniger Wasser und vor allem, sie können sich nicht mehr natürlich verjüngen. Zur Keimung muss der Samen auf den kahlen, unbewachsenen Boden fallen. Ein dichter Filz aus Gras und eine dicke Humusschicht verhindern das.

Damit die Heide sich wieder natürlich verjüngen kann, wurden im Herbst und Frühjahr einige Bereiche mit einem Kleinbagger abgeschoben. Der Rohboden liegt offen und kann die Samen der Heide aufnehmen. Dieses Verfahren hat sich bewährt.

Zum Ende des Sommers waren auf den freigelegten Arealen natürlich noch keine aufkeimenden Heidekräuter erkennbar, das wird noch einige Jahre brauchen. Aber schnell zeigte sich eine andere Pflanze: Die Brombeere, bleibt sie unbehelligt, deck sie schnell große Bereiche ab und die ganze Arbeit wäre vergeblich gewesen. Ausreißen - kaum möglich, abmähen - ja, wenn, ja wenn da nicht so viele Steine lägen. Jetzt wurden die Nachteile der Baggerräumung erkennbar. Doch was tun, einen Dienstleister hinschicken und Steine ablesen lassen? Unbezahlbar!

Der letzten Sommer machte klar, dass eine zusätzliche Belastung das Gebiet am Mensfelder Kopf gefährdet. Viele Menschen besuchen den Aussichtspunkt auf dem Kopf und genießen die mega geniale Aussicht. Mit etwas Glück erlebt man einen sensationellen Sonnenuntergang. 

Leider benutzen viele Besucher das gesamte Gebiet auch außerhalb Wege. Trittschäden und Liegeflächen sind das Eine, dass der mitgebrachte Verpackungsmüll zurückbleibt ist schlicht gesagt eine Sauerei! Dazu gehören auch ungezählte Zigarettenkippen. Übrigens: Der Abbau eines Zigarettenfilters nimmt etwa 10 Jahre in Anspruch.

Mit der Wiederentdeckung des Fahrrades als Mountain- oder E-Bike erreichen jährlich auch Hunderte Radfahrer den „MeKo“, wie der Mensfelder Kopf von den Einheimischen genannt wird. Häufig wird bis zur Plattform gefahren, um die Aussicht während einer kurzen Pause zu genießen.

Einige Biker nutzen leider immer wieder den schmalen Grat durch das Naturschutzgebiet für eine rasante Abfahrt. Muss wegen eines Spaziergängers mal scharf gebremst muss, ist das natürlich ärgerlich, doch die dabei entstehenden Bremsspuren sind mehr als ärgerlich. Der schmale Pfad verbeitert sich zusehends und das ist nicht mehr tolerierbar. Die rückwärtige Abfahrt haben wir darum mit einem Zaun gesperrt, ebenso eine Zufahrt. Wenn der Erfolg auch mäßig ist, einige Fahrradfahrer ließen sich bereits überzeugen, nachdem sie persönlich angesprochen wurden und so mehr über die Bedeutung dieses Gebietes erfahren konnten. Andere zeigten sich weniger einsichtig.

Pflege und Schutz des Mensfelder Kopfes sind die wichtigsten Aufgaben für die Zukunft. In den vergangenen 20 Jahren übernahmen die Arbeit Dieter Kees und Phillipe Trapp aus Mensfelden. Mit unermüdlichem Einsatz haben die beiden BUND Mitglieder in hunderten Stunden den gesamten Bereich vor der natürlichen Verbuschung gerettet und das heutige Bild des „MeKo’s geprägt. Sie haben Müll gesammelt, Moos aus den Heideflächen gerecht und Bäume zurückgeschnitten, Steine abgesammelt und Steinhaufen angelegt. Ohne dieses Engagement hätte der Wald längst Besitz von den Wiesen- und Heideflächen ergriffen und die schöne Aussicht gäbe es gar nicht mehr. Doch irgendwann lassen die Kräfte nach und die körperliche Arbeit ist nicht mehr leistbar, Nachfolger für diese Aufgabe kaum in Sicht. Alle Anstrengungen engagierte Nachfolger zu finden blieben ohne Erfolg.

Im Frühjahr 2020, ein Zeitpunkt zu dem alle in die Zukunft gerichteten Blicke auf dem Tiefststand waren, nahte ein Hoffnungsschimmer. Immer öfter schilderten Mensfelder Bürger die Folgen des zunehmenden Besucherverkehrs am Mensfelder Kopf. Silvia Scheu-Menzer, Bürgermeisterin der Gemeinde Hünfelden, zögerte nicht und nahm die Sorgen der Menschen aus Mensfelden ernst. Ein erstes Treffen vor Ort machte klar, dass hier Handlungsbedarf besteht. Besucherlenkung, Pflegearbeiten und Müllentsorgung galt es neu zu organisieren. Und eine stattliche Anzahl Mensfelder Bürger erklärte demonstrativ ihre Bereitschaft sich zu kümmern, wenn alle anderen Verantwortlichen sie unterstützen. Mit allen anderen Verantwortlichen sind das Regierpräsidium Gießen, Obere Naturschutzbehörde, Forstamt Weilmünster und die Gemeinde Hünfelden gemeint.

Dem Engagement von Bürgermeisterin Scheu-Menzer ist es zu verdanken, dass aus den vielen Vorschlägen ein Konzept wurde. Als erstes gründete sich eine „Kümmerer-Gruppe“, die sich tatkräftig einbringt. Mit neuen Ideen und begleitenden Arbeitseinsätzen konnte bereits Erstaunliches geleistet werden. Jede Menge Müll war nach den Wochenenden einzusammeln, ungezählte Eimer mit Steinen aufzulesen, Steinhaufen für Eidechsen und Molchen anzulegen. Zukünftig erfolgt eine einheitliche aber dezente Beschilderung und Besucher des Gebietes werden weiterhin aktiv angesprochen, um so über das Naturschutzgebiet zu informieren. Obere Naturschutzbehörde, Forstamt Weilmünster und die Gemeinde Hünfelden werden dieses Engagement fachlich, finanziell begleiten und unterstützen. Weitere Auskünfte erhalten Sie über: 

Forstamt Weilmünster, Herr Michael Kampmann (michael.kampmann@forst.hessen.de)

Gemeinde Hünfelden, Herr Michael Becker (michael.becker@huenfelden.de)